"Nein, danke"
Ich bin bei Herrn Herz zum Abendessen eingeladen, um halb acht. Weil ich zweimal umsteigen muß, bin ich etwas früher von zu Hause aufgebrochen. Die Umstiege sind sehr glatt gegangen, so daß ich schon Viertel nach sieben vor der Tür von Herrn Herz stehe. Gott sei Dank! Die Deutschen legen sehr viel Wert auf Pünktlichkeit. Ich bin früh genug da! Ich zupfe meinen Anzug zurecht und klingele. Niemand meldet sich. Wieso, denke ich, jemand muß doch zu Hause sein. Vielleicht hat es niemand gehört. Ich habe die Klingel nochmal gedrückt. Erst nach einer Weile kommt Frau Herz gestürzt und öffnet die Tür.
"O Gott, Sie sind schon da!" Sie reibt mit der eben abgelegten Schürze die Hände, "entschuldigen Sie, ich kann leider nicht weg, weil mein Fleisch noch im Topf ist. Kommen Sie bitte herein." Als wir im Flur sind, kommt Herr Herz mit einem schweren Korb voller Getränke, Weine, Obst aus dem Keller herauf.
"Grüß Gott, Herr Wu, ich dachte, es dauert noch einige Zeit. Sie wohnen doch ziemlich weit... Ich kann Ihnen leider keine Hand geben, weil sie zu schmutzig ist."
"Pa.." Ein Knall aus dem Wohnzimmer hat uns drei erschreckt. Herr und Frau Herz stürzen hintereinander ins Wohnzimmer. Da steht ihre Tochter verlegen vor Splittern einer Vase und sieht weinend die Scherben und Blumen, die kreuz und quer im Wasser auf dem Boden liegen.
"Ich dachte, der Gast ist schon da, ich muß schneller mit dem Aufdecken fertig sein, und dabei habe ich die Vase umgeworfen", rechtfertigt sich die Tochter.
"Da hast du mir aber etwas Schönes eingebrockt." Ich sehe den mit Mühe unterdrückten Ärger dem Gesicht von Frau Herz an. - "Aber es läßt sich nichts ändern. Ach, mein Gott, ich habe mein Fleisch völlig vergessen. Du, kümmere dich mal um den Gast, ich habe keine Zeit!" Mit diesen Worten ist Frau Herz in der Küche verschwunden.
"Ja, Herr Wu, was darf ich Ihnen zum Trinken anbieten?"
"Nein, danke."
Das Essen ist köstlich. Gulasch mit Nudeln - eines meiner Lieblingsessen. Ich esse ganz gemütlich und möchte den guten Geschmack länger im Mund behalten. Aber trotzdem geht mein Gulasch rasch weg. Nach einer Weile fragt die Gastgeberin: "Wer möchte noch etwas? Wie ist es mit Ihnen, Herr Wu? Möchten Sie noch etwas?"
"Oh, nein, danke." Es gehört sich bei uns zu Hause nicht, schon auf die erste Aufforderung zuzugreifen.
"Schade, ich dachte, es schmeckt Ihnen"
"Ja, aber ich ..."
Anschließend kommt der Nachtisch - Erdbeeren mit Sahne. Hier in Deutschland schmecken die Erdbeeren viel besser als bei uns. Unsere Erdbeeren sind winzig und dazu noch sauer. Ich habe nur so viel genommen, wie es die Sitte bei uns erlaubt, und genieße den Duft und die Süße der Früchte. Ich werfe verstohlen einen Blick in die Erdbeeren-Schüssel.
"Darf ich Ihnen noch etwas geben?" fordert diesmal Herr Herz auf. "Ach ... nein, danke". Lieber warte ich auf die zweite Aufforderung.
"Schade. Sie essen das wohl nicht sehr gern, oder?"
"Wie schade, daß Sie so wenig von all dem essen!" schließt sich Frau Herz ihrem Mann an. Im Nu ist die Schüssel leer.
Als wir auf dem Sofa sitzen, fragt die Gastgeberin: "Wollen Sie Kaffee?"
"Nein, danke."
Halb hungrig, halb durstig habe ich mich nach Hause geschleppt. Aber ich bin doch froh, daß ich nichts Unhöfliches getan habe.
(von DAXING CHEN . Aus: Wege (Lehrbuch), S. 120-121)
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Zusammenfassung 1
Der Text handelt von den Unterschieden zwischen den chinesischen und den deutschen Tischsitten und von den Klischeevorstellungen, die man von den Deutschen hat.
Herr Wu wird bei einer deutschen Familie, den Herzs, zum Abendessen eingeladen. Da er immer gehört hat, daß die Deutschen viel Wert auf die Pünktlichkeit legen, kommt er sogar ein bißchen früher bei ihnen an. Doch die Herzs sind mit dem Essen noch nicht fertig und das verursacht eine ziemlich chaotische Situation. Am Tisch erlebt Herr Wu noch eine komische Situation. Das Essen schmeckt köstlich und er möchte gern ein zweites Mal zugreifen.Trotzdem lehnt er aus Höflichkeit ab, und weil es in China üblich ist, die erste Aufforderung zuzugreifen. Es gibt aber keine zweite Aufforderung. Zum Schluß geht der Chinese halb hungrig nach Hause.
Zusammenfassung 2
Im Text geht es um die Unterschiede zwischen den chinesischen und den deutschen Tischsitten und um die Klischeevorstellungen, die man von den Deutschen hat.
Herr Wu wird bei einer deutschen Familie, den Herzs, zum Abendessen eingeladen. Er kommt eine Viertel Stunde später bei ihnen an und die ganze Familie sitzt schon am gedeckten Tisch. Herr Herz ist wütend, und wirft ihm vor, daß die Chinesen keinen Wert auf die Pünktlichkeit legen. Am Tisch erlebt Herr Wu noch eine komische Situation. Das Essen schmeckt furchtbar schlecht und er lehnt ständig die Aufforderungen der Frau ab. Zum Schluß geht der Chinese hungrig nach Hause.
3.Verbinde folgende Wörter und Ausdrücke im Text mit den entsprechenden Synonymen oder Erklärungen.
a) aufbrechen (Z.2) |
1. ein lautes Geräusch |
b) glatt gehen (Z.2) |
2. überall, in den verschiedensten Richtungen und ohne Plan |
c) viel Wert auf die Pünktlichkeit legen (Z.4) |
3. heimlich; so, daß die anderen es nicht merken |
d) der Knall (Z.14) |
4. der Brauch |
e) stürzen (Z.7 und 14) |
5. ohne Probleme verlaufen |
f) verlegen (Z.15) |
6. plötzlich schnell irgendwohin laufen |
g) kreuz und quer (Z.16) |
7. die Gründe für eine bestimmte Handlung nennen. |
h) sich rechtfertigen (Z.18) |
8. sehr klein |
i) jdm. etwas einbrocken (Z.19) |
9. sich auf den Weg machen |
j) auffordern/ die Aufforderung (Z.29 und 37) |
10. in sehr kurzer Zeit |
k) zugreifen (Z.30) |
11. ängstlich, unsicher; so, daß man nicht weiß, was man tun soll |
l) winzig (Z.34) |
12. jdm. Schwierigkeiten machen |
m) die Sitte (Z.35) |
13. die Pünklichkeit für sehr wichtig halten |
n) verstohlen (Z.36) |
14. sich mit Mühe irgendwohin bewegen |
o) im Nu (Z.41) |
15. sich etwas zu essen nehmen |
p) sich schleppen (Z.44) |
16. bitten/die Bitte |
4. Spiel jetzt folgende Handlungen vor, die auch im Text vorgekommen sind.
Tip!! Einige Wörter kannst du vielleicht besser behalten, wenn du sie schauspielerisch darstellst.
ich zupfe den Anzug zurecht (Z. 4)
ich reibe die Hände mit der Schürze (Z. 8)
5. Wie heißen die neu gelernten Wörter in deiner Muttersprache?
Wörter im Text |
Übersetzung in deine Muttersprache |
a) aufbrechen (Z.2) |
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b) glatt gehen (Z.2) |
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c) viel Wert auf die Pünktlichkeit legen (Z.4) |
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d) der Knall (Z.14) |
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e) stürzen (Z.7 und 14) |
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f) verlegen (Z.15) |
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g) kreuz und quer (Z.16) |
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h) sich rechtfertigen (Z.18) |
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i) jdm. etwas einbrocken (Z.19) |
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j) auffordern/ die Aufforderung (Z.29 und 37) |
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k) zugreifen (Z.30) |
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l) winzig (Z.34) |
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m) die Sitte (Z.35) |
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n) verstohlen (Z.36) |
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o) im Nu (Z.41) |
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p) sich schleppen (Z.44) |
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6. Nachdem du die vorstehenden Übungen gemacht hast, kannst du den Text noch einmal lesen. Wahrscheinlich kannst du mit einem zweiten Lesen den Text völlig verstehen.
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- Zusammenfassung 1
a-9 ; b-5 ; c-13 ; d-1 ; e-6 ; f-11 ; g-2 ; h-7 ; i-12 ; j-16 ; k-15 ; l-8 ; m-4 ; n-3 ; o-10 ;
p-14
a) aufbrechen (Z.2) |
9. sich auf den Weg machen |
b) glatt gehen (Z.2) |
5. ohne Probleme verlaufen |
c) viel Wert auf die Pünktlichkeit legen (Z.4) |
13. die Pünklichkeit für sehr wichtig halten |
d) der Knall (Z.14) |
1. ein lautes Geräusch |
e) stürzen (Z.7 und 14) |
6. plötzlich schnell irgendwohin laufen |
f) verlegen (Z.15) |
11. ängstlich, unsicher; so, daß man nicht weiß, was man tun soll |
g) kreuz und quer (Z.16) |
2. überall, in den verschiedensten Richtungen und ohne Plan |
h) sich rechtfertigen (Z.18) |
7. die Gründe für eine bestimmte Handlung nennen. |
i) jdm. etwas einbrocken (Z.19) |
12. jdm. Schwierigkeiten machen |
j) auffordern/ die Aufforderung (Z.29 und 37) |
16. bitten/die Bitte |
k) zugreifen (Z.30) |
15. sich etwas zu essen nehmen |
l) winzig (Z.34) |
8. sehr klein |
m) die Sitte (Z.35) |
4. der Brauch |
n) verstohlen (Z.36) |
3. heimlich; so, daß die anderen es nicht merken |
o) im Nu (Z.41) |
10. in sehr kurzer Zeit |
p) sich schleppen (Z.44) |
14. sich mit Mühe irgendwohin bewegen |
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Wörter im Text |
Übersetzung in deine Muttersprache |
a) aufbrechen (Z.2) |
sortir, anar-se´n
salir, marcharse
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b) glatt gehen (Z.2) |
sortir bé, sortir rodó
salir bien |
c) viel Wert auf die Pünktlichkeit legen (Z.4) |
donar importància a la puntualitat
dar importancia a la puntualidad |
d) der Knall (Z.14) |
(aquí) terrabastall
estruendo |
e) stürzen (Z.7 und 14) |
abalançar-se, precipitar-se
precipitarse |
f) verlegen (Z.15) |
encongit, desconcertat, vergonyós
encogido, desconcertado, vergonzoso |
g) kreuz und quer (Z.16) |
per totes bandes, a tort i a dret
por todos lados |
h) sich rechtfertigen (Z.18) |
justificar-se
justificarse |
i) jdm. etwas einbrocken (Z.19) |
ficar en un embolic, embolicar la troca
meterse en un lío |
j) auffordern/ die Aufforderung (Z.29 und 37) |
demanar, invitar
pedir, invitar |
k) zugreifen (Z.30) |
agafar (alguna cosa per menjar)
coger (algo para comer) |
l) winzig (Z.34) |
petitet, diminut
pequeño, diminuto |
m) die Sitte (Z.35) |
el costum
la costumbre |
n) verstohlen (Z.36) |
dissimuladament, d´amagat
disimuladamente, a escondidas |
o) im Nu (Z.41) |
en un tancar i obrir d´ulls, en un no-res
en un abrir y cerrar de ojos |
p) sich schleppen (Z.44) |
arrossegar-se
arrastrarse |
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