Forschen für die Freizeit
In den vier Vorlesungen und Seminaren
, die Horst Opaschowski Woche für Woche an der Universität hält, liest er - kaum zu glauben - über die Freizeit. Berühmt wurde er aber erst durch seine Forschungsarbeiten am B.A.T. Freizeit-Forschungsinstitut, das er bis heute leitet. "Das Unternehmen B.A.T. wollte das Freizeitverhalten der Deutschen genauer kennen lernen und ist bei seinen Recherchen auf meinen Namen gestoßen. Ich habe mich damals bereit erklärt, mitzumachen, unter der Voraussetzung, dass Forschung und Produktwerbung klar getrennt werden, damit die Forschungsergebnisse auch glaubwürdig bleiben," erzählt der Institutschef.
Oft fördern die Studien, die das Institut jedes Jahr veröffentlicht, überraschende Ergebnisse. "Die meisten Menschen in den westlichen Industrieländern sind von einem Wohlstand umgeben, von dem man in früheren Jahrhunderten nicht zu träumen wagte. Und dennoch fühlen sich die Menschen nicht glücklicher." Ihr Traum von Glück ist in erster Linie konsumorientiert. "Frauen fühlen sich in einer schönen Wohnung, umgeben von Büchern und einem Telefon, am wohlsten; Männer dagegen, wenn sie im Besitz eines Fernsehers und eines Autos sind. Wenn sie dann noch ab und zu gut essen und trinken und in den Urlaub fahren können, sind sie vollends zufrieden."
"Bei meiner Arbeit setze ich mich aber nicht nur mit der Freizeitgestaltung auseinander", erzählt Horst Opaschowski. "Zu einer besseren Freizeit- und Lebensqualität gehört heute mehr als nur ein kulturelles Angebot. Die Menschen machen sich viel öfter Gedanken über angemessene Verkehrsverbindungen, die wachsende Kriminalität und eine saubere Welt."
Der Arbeitstag von Horst Opaschowski beginnt mit einem Frühstück mit seiner Frau Elke. Die beiden sind seit mehr als 25 Jahren ein Team. Abends um Punkt acht Uhr lässt der Freizeitforscher seinen Bleistift fallen: "Ich muß so handeln, sonst könnte ich keine Freizeit lehren". Als meine beiden Kinder noch klein waren, habe ich jede Sitzung um 19 Uhr verlassen, um sie ins Bett bringen zu können."
Und was macht ein Freizeitforscher in seiner Freizeit? "Zur Entspannung lese ich Zeitungen, höre Musik und sehe fern. In der Beziehung bin ich nicht anders als andere. Fernsehen ist die Lieblingsbeschäftigung der Deutschen."
aus: Blick auf Deutschland (sig. PF 3112.K57 1997) S. 70 (bearbeitet)
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